Ted Herold begleiten...
Ted Herold begleiten...
Direkt aus dem Abitur in Mathe nach Bremen zum Auftritt mit THE WHO
Plötzlich klingelt es an der Tür des elterlichen Hauses in der Soers, und wer steht davor: Ulli von “The Lords”. Eine der bekannten Beatbands in Deutschland. Sie mussten in Aachen spielen, und ihr Equipment war noch nicht angekommen. Ob wir aushelfen könnten mit Amps und Schlagzeug. Natürlich konnten wir. Und gegen diese Art von Adel hatten wir als Riesen ja nichts.
Am 19. April 1967 hatten wir zwei wichtige Verabredungen: Peters  Mathe - Abitur am Einhard Gymnasium in Aachen und THE GIANT’s ab 19:00 Uhr einen Auftritt mit The Who in der Stadthalle Bremen. Was tun, was absagen??? Nix absagen: Peters Schlagzeug, unsere Verstärker in Peters Ford M 12 packen, ihn selber um 13:30 Uhr am Einhard Gymnasium abholen, und dann nach Bremen fahren, einen denkwürdigen Auftritt hinlegen, und anschliessend wieder durch die Nacht nach Aachen fahren. Denn Peter hatte am darauffolgenden Tag sein Deutsch - Abitur. Was tut man nicht alles für die Bildung???
Wir waren für mehrere Auftritte in Alsdorf engagiert. Eines Abends kommt der Veranstalter auf uns zu, mit der Bitte, doch einen weiteren Gaststar zu begleiten. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann Ted Herold hiess. Wir haben uns dann doch mit Geld bestechen lassen... Was Felix selbst im Rückblick für einen Fehler hält. Eines Tages kam ein Fan zu uns mit dem Vorschlag, gleich zu Beginn unseres nächsten Auftritts ein dickes Zeichen zu setzen. Er hatte nämlich ein kleines Teufelsding gebaut, welches eine freundliche, aber eindrucksvolle kleine Explosion herstellen könne. Fanden wir interessant und bei einem Auftritt in Alsdorf wollten wir es ausprobieren. Wir begannen in der Zeit unsere Auftritte mit „Substitute“ von The Who, und standen, während der Vorhang aufging, mit dem Rücken zum Publikum. Nach den ersten Takten drehten wir uns zum Publikum und dann sollte diese kleine freundliche, aber beeindruckende Explosion erfolgen. Wir hatten natürlich keine Ahnung über die Stärke, mit der dieses Teufelsding beeindrucken sollte. Und als zum gedachten Zeitpunkt nichts Beeindruckendes passierte, wurden wir immer nervöser und starrten nur noch auf dieses kleine Kästchen, und warteten mittlerweile ziemlich verunsichert auf das angekündigte optische Feuerwerk. Und was passierte? Nichts! Nichts! Und wir waren anschließend auch heilfroh, dass nichts passiert war. Das Experiment haben wir nicht wiederholt.
Das kleine Teufelsding...
Wie es mit Felix einmal fast durchging...
Auftritt mit The Rattles in Eschweiler, wir spielten vor ihnen, aber Ziel war es natürlich, einen über den Auftritt der deutschen Top Band hinaus bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und das muss Felix wohl etwas zu wörtlich genommen haben. Wir waren schon richtig gut an dem Tag, aber er meinte, noch einen drauf setzen zu müssen. In seinem Bass - Solo sahen wir plötzlich, dass Felix seinen Bass auf den Boden legte, und sich an seiner riesigen Selmer Goliath Bassbox zu schaffen machte. Sein Bass dröhnte, Rückkoppelung, und Felix, mit etwas eigenartigen Blick, fing an, die Bassbox hochzuheben. Er war drauf und dran, sie auf seinen Bass zu bugsieren. Es dröhnte tierisch, und nur mit vereinten Kräften gelang es uns, Felix von seinem Vorhaben abzuhalten, ihm den Bass wieder umzuhängen und zuzuschauen, wie er sein Bass- Solo in großer Manier zu Ende brachte. Die Zuschauer schienen das als eine ziemlich gute Show zu empfinden, und so war diese Szene auch noch nach dem Auftritt der Rattles Stoff für jede Menge Gespräche. Ziel erreicht…
Ort: das Carlton in der Elisabethstraße in Aachen. Oberhalb der Bühne, die ca. 1,50 m hoch war, war für Peters Schlagzeug noch mal eine Erhöhung von ca. 1 m vorgesehen, so dass die Gesamthöhe des Schlagzeugs bis zum Boden bei etwa 2,50 m lag. Während unseres Auftritts am frühen Sonntagabend löste sich infolge heftigen Schlagens ein ziemlich großes Becken aus seiner Verankerung. Das gehört sicherlich normalerweise zum Arbeitsalltag einer Rockband. Allerdings suchte sich das Becken mit großer Wucht seinen Weg nach unten, und verfehlte eine Besucherin nur um Handbreite. Puh, alle Glück gehabt!!
Schlagzeuger können auch eine Gefahr darstellen...
Der Öcher Bend zitterte und schmunzelte...
Zurück von den Auftritten mit The WHO fühlten wir uns natürlich wie die Größten: THE GIANT’s eben. Unsere Brust konnte nicht breiter sein. Und wir hatten gelernt: Instrumente zerschlagen kam an, das Publikum raste. Das wollten wir dann auch ausprobieren. Und so kam uns eine Anfrage sehr recht, in einem der Bierzelte auf dem Bend zu spielen. Uns fehlte allerdings das Geld, die richtigen Instrumente zu gefährden, und so haben wir Lautsprecherattrappen gebaut, in die wir dann auf dem Bend mit unseren Gitarren hinein gestoßen haben. The Who ließen grüßen. Eine grandiose Show, fanden wir. Das Publikum im Bierzelt war leider noch etwas reserviert - und in der Unterzahl: trotz mehrmaligen Zählens kamen wir nur auf zwölf Personen, drei davon Bedienung, und drei auf der Bühne…
Von Anfang an probten wir im Keller des elterlichen Hauses. Natürlich hatten wir alles getan, um die Lautstärke nicht nach außen dringen zu lassen: Türen und Fenster verrammelt, die Decke mit Eier - Pappkarton abgeklebt. Trotzdem waren wir laut, manchmal sehr laut, wenn wir probten. Um ehrlich zu sein, es gab während unserer Proben kein Fernsehprogramm dass unsere Eltern hätten akustisch ungestört anschauen können. Umso erstaunlicher die Reaktion von Vater Bosetti, als der Nachbar sich über ungebührliche Lautstärke beschweren wollte. Vater Bosetti solidarisierte sich nämlich mit unserem Hobby, und antwortete:“ Tut mir leid, ich kann Sie nicht verstehen. Es ist so schrecklich laut hier“ und die Tür wieder schloss.
Laut? Was heisst hier laut?
Düsseldorf, Rheinhalle, 8. Juni 1968. Auftritt mit einigen Vorgruppen, The Lords, und The Small Faces als Top Act. Und da wir durch das Stahlbad der Auftritte mit The Who doch sehr selbstbewusst geworden waren/wahrscheinlich sogar etwas bekloppt, naja, diese Rock’n Roll Attitüde eben, nutzte Peter einen Moment, vor dem Auftritt von The Small Faces , dem Keyboarder Ian Mac Lagan einige Tasten besonders ans Herz zu legen, nämlich die, die er mit ANGELA, dem Namen seiner Freundin verziert hatte. Es ist nicht überliefert, ob das Einfluss auf das Spiel von Mac Lagan an diesem Abend in Düsseldorf hatte…
Warum The Small Faces wussten, wie Peters Freundin hieß...
Peters Bass Drum klang einfach besser mit Keith Moons Fussmaschine...
Freundlicherweise hatten THE WHO eine Auftrittschoreografie entwickelt, die vorsah, gegen Ende des Sets regelmäßig die Gitarre zu zerschlagen, das Schlagzeug umzustürzen, und reichlich Tohuwabohu zu verbreiten. Rauch, Krach, jede Menge Instrumententeile auf der Bühne, und wir auch. Wann kann man schon mal eine Originalfussmaschine “ Keith Moon”, gerade gut eingespielt, an der eigenen Bass Drum ausprobieren, wann Tonabnehmer aus Pete Townshends Gitarre in die eigene einbauen und so einen Teil seines Sounds nutzen. Für uns waren die Auftritte mit The Who auch Möglichkeiten, jede Menge Souvenirs zu sammeln
 ...war das Zauberwort. Wer in Aachen konnte dieses Stück spielen? Nachdem Bernd nach seinem Armbruch dann doch das Gitarrenspiel in der Band beenden musste, waren wir auf der Suche nach einem neuen Bandmitglied, der uns mit Orgel und Keyboard neue musikalische Möglichkeiten erschliessen sollte. Die Suche war aber nicht einfach damals. Wo war der junge Mensch, der Orgel spielen konnte, und vor allem diesen Megahit von Procol Harum?? Und es gab ihn wirklich. Eines Abends tauchten wir in Laurensberg auf, klingelten an der Tür, und fanden einen sehr jungen, überraschten Johannes, der dann mit uns in den Keller ging, und “A whiter shade of pale” spielte. Und es klang wie bei Procol Harum. Und das, obwohl er es auf einem erstaunlichen Instrument spielte, welches von selbst sagen konnte: “Das ist die Philicorda”... Von diesem Abend an gehörte Johannes zu den GIANT’s.
Und dann stand Ulli von den LORDS bei uns vor der Haustür...
“A whiter shade of pale...”  ( und die Philicorda )
Großes Lob vom Meister  Begegnung mit John Entwistle:  vor dem Hintergrund, dass wir „THE GIANT’S“ schon einige gemeinsame Auftritte mit “THE WHO“ hinter uns hatten, spricht mich in der Bremer Stadthalle (Backstage nach dem Konzert) John an mit den Worten:“ you are a very good bass player“. Reichlich verdutzt dieses Lob von einem der seinerzeit weltweit besten und bekanntesten Bassisten in der Rockmusik zu bekommen, antwortete ich in stotterndem Englisch: „ I think you also“. Zwischenzeitlich gesellt sich der Frontmann Roger Daltrey und der 1978 verstorbene Keith Moon dazu und brachen in totales Gelächter aus. Es wurde noch weiterhin rumgealbert, wie man es erwarten kann, wenn Keith Moon, der verrückteste Komiker der Rockgeschichte anwesend ist.  Es war einfach toll zu erfahren, dass diese Leute, die zu jener Zeit auf einer unglaublichen Erfolgswelle getragen wurden, eine so überaus herzliche und menschliche Seite hatten.
© THE GIANTS 2015
THE GIANT’S
Stories und Geschichten
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